Foto: Friederike Fänger
Wir sind laut, wir sind bunt,
wir sind glücklich. Wir sind ein Institut. Wir gehen durch den Raum. Wir duzen
Dozent*innen und die duzen uns. Wir sitzen auf dem Boden. Wir machen alles
anders als die anderen. (Das ist fast schon ein Automatismus oder ein Reflex
und nicht immer angebracht, aber irgendwie ok.) Wir bereiten uns nicht vor. Wir
schöpfen aus dem Moment. Wir sind flexibel. Wir sind organisiert. Wir sind
allzeit bereit! Wir sind die Elite unserer Generation. Wir sind Hochstapler.
Wir trennen den Müll. Wir bieten Workshops an. Wir sind dagegen und wir sind
viele, wir befürworten Alternativen und verabscheuen Verallgemeinerndes. Wir
kommen zu spät. Wir mögen Adjektive und Fragen in Ankündigungstexten. Wir sind
ein bisschen Eso. Wir gehen nach Indien. Wir glauben an den Kreis und den
Prozess. Wir umarmen. Wir sind sicher. Wir hassen DS-Fortbildungen und wir
hassen DSFortbildungs-lehrer*innen. Wir kämpfen für unseren Beruf! Und für die
Gender-Gap.
Wir hinterfragen den
Arbeitsbegriff und belegen Seminare, die wir uns nicht anrechnen lassen können. Wir
beschweren uns über Frau Jockheck. Wir beschweren uns bei Frau
Jockheck darüber, dass wir Seminare belegt haben, die wir uns nicht anrechnen
lassen können. Wir haben ab und zu Stress mit der Hochschul-Leitung. Wir sind
sozusagen Nicht-Ganz-Gallien. Wir atmen tief aus. Wir haben einen schwarzen und
einen weißen Raum. Wir tanzen. Wir machen Wahrnehmungs-Übungen an der
Bio-Laden-Theke. Wir trinken Kaffee mit Uwe und forschen nach unseren Wurzeln.
Unser Leben ist das Projekt. Wir haben Konflikte, und wenn nicht, gründen wir
ein Kollektiv (Dann haben wir welche). Wir atmen ein. Wir sind zu 80% weiß,
weiblich und Anfang Zwanzig. Auch das ist ein Konflikt. Wir wollen Jugendliche
retten, aber wir nennen das nicht so. Wir sind ständig damit beschäftigt uns zu
verorten, zwischen Kunst, Pädagogik und Wissenschaft. Wir lesen
Erika-Fischer-Lichte. Wir wollen, dass die Welt endlich unseren Konstruktionen
nach kommt. Wir scheitern an unseren Idealen. Wir bauen uns neue. Wir lügen.
Wir wollen keine Schauspieler werden. Wir inhalieren Feedback. Wir sind die
Freaks auf der Party. Wir sind laut, wir sind bunt, wir sind glücklich.
Von: Kyra
Mevert

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