Mittwoch, 24. Juni 2015

Hamlet – Wie alles begann.




Hamlet und Ophelia – ein Projekt
Hamlet, der Dänenprinz ist bekanntermaßen der Shakespeare’sche Held, der immer wieder in den Dienst nationaler Selbstbeschreibung gestellt wird. Hamlet ist Symbolfigur des passiven Denkers und des manchmal fast krankhaften nach Wahrheit forschenden, Rechenschaft fordernden Intellektuellen. Er will begangenes Unrecht anklagen und die aus den Fugen geratene Zeit einrenken. Ihm gegenüber steht als sein Zerrspiegel Ophelia, die unglicklich in Hamlet Verliebte, die vor allem als Wasserleiche in die Kunstgeschichte eingegangen ist und deren Schicksal zur Metapher für die Leiden der Figur und darüber hinaus für die Leiden der Zeit wird.
Beide Figuren stehen im Mittelpunkt einer theatralen Recherche die über zwei Semester dauern wird, und in eine Aufführung im Wintersemester 2013/14 mündet.
(Ankündigungstext im KVV Sommer13 des Studiengangs Darstellendes Spiel)

Im Sommersemester 2013 schrieb auch ich mich für dieses Seminar ein, das einen Klassiker von William Shakespeare verarbeiten sollte. Ich dachte mir ich würde mich auf das einlassen, was ich bisher kennen gelernt hatte am Institut, da der Schwerpunkt unserer Arbeiten doch stark auf einen biografisch dokumentarischen Aspekt liegt. Zunächst einmal bestätigten sich meine Gedanken und wir beschäftigten uns viel mit dem Charakter Hamlets und fragten uns wie viel von ihm denn nun auch in ins steckt.
Ich weiß noch, wie wir dann den Text unendliche Stunden gemeinsam durchkauten und versuchten Wort für Wort zu verstehen. Unser Dozent Ulrich Jäckle, der seit 1993 als freier Regisseur arbeitet ließ uns in der Hinsicht mit nur wenigen Impulsen völlig frei arbeiten, überlegte mit und eignete sich das Stück ebenso wie wir an.
Zudem gab es noch ein begleitendes Seminar, welches wir nicht verpflichtend belegen mussten. Hier gestalteten andere Stundeten (und auch wir) mit dem Bühnenbildner Thomas Rump und der Kostümbildnerin Elena Anatolevna das Drumherum nach dem Motto: „Hamlet braucht eine Hose, Ophelia einen See!“
Anschließend präsentierten wir noch am Ende des Semesters eine Rohfassung von Hamlet, die in einen Gewühl aus einem menschlichen Pferd, auf dem Ophelia reitet und einem Hamlet, der vor sich hin murmelt, ob er denn nun sein oder nicht sein soll.

Nachdem verließ ich das Seminar aus zeitlichen Gründen und konnte nur noch von Außen betrachten, wie es sich denn nun weiter entwickeln würde. Das Ergebnis konnte man dann am 19.01.2014 zum ersten Mal sehen. Prägend in meinen Erinnerungen blieb der Hamlet, der ewig im Kreis läuft und nicht weiß, wofür er sich denn nun in seinem Leben entscheiden soll und trotz Erschöpfung nie aufhört. Zwischendurch sah man eine Psychologin, die versuchte uns wissenschaftlich in das Innenleben von Hamlet hineinzuführen. Drei Ophelias flirteten am Anfang des Stückes mit uns und ließen sich schließlich rhythmisch einen Liebesbrief spöttisch von dem Rest der Gruppe vorlesen. Zum Ende gab es eine dicke Party mit allen Toten und Nichttoten und die Frage des Sein oder Nichtsseins war dann plötzlich auch nicht mehr so wichtig. 



Hier der damalige Ankündigungstext zur Aufführung:

Datum 22.01.2014
Drei Vorstellungen von »Hamlet und Ophelia« mit zwölf Studierenden des Darstellenden Spiels der HBK im Rahmen des gleichnamigen Seminars von Prof. Uli Jäckle
19.1., 21.1. und 22.1.2014, jeweils um 19:30 h
Eintritt frei!

»Seid ihr auch? Ein toter Vater. Ein Geist. Eine Liebe. Ein mörderischer Onkel und ein Racheplan. ›Sein oder Nichtsein‹ und ›Etwas ist faul im Staate Dänemark‹ – das sind die bekanntesten Zitate aus Shakespeares ›Hamlet‹. Doch ist auch etwas faul an der HBK? Wer war noch mal Ophelia? Warum sind am Ende alle tot? Und sind wir oder sind wir nicht? Die Aula wird zum Schlachtfeld, zum Vorlesungssaal und zu allem, zu dem wir sie noch machen. Hamlet, das ist Alles oder Nichts, Sein oder Nichtsein, großes Drama, immer neu und immer anders! Seid also gespannt, was wir daraus machen, wir sind es auch!«

Bühnenbild und Kostüme: Elena Anatolevna und Thomas Rump.

Schließlich kam ich mit unserem Dozenten zu der Erkenntnis, das viele Projekte unseres Studienganges manchmal fast in Vergessenheit geraten, oder nicht gesehen werden, weil so vieles anderes (auch tolles) an der HBK passiert. Hamlet und Ophelia war ein sehr zeitbasiertes Schauspielstück, also etwas anderes, als der bisherige Schwerpunkt, den ich am Anfang beschrieben hab. Und dennoch eine sehr wertvolle Erfahrung für die Teilnehmen des Seminares. Sie hatten die Möglichkeit sich in anderen Bereichen auszuprobieren und diese eventuell auf ihre spätere Berufslaufbahn mehr oder weniger anzuwenden. Außerdem erweitern solche Projekte unser Kunstverständnis, welches dazu beträgt zu entscheiden, wo wir uns denn auch in der Zukunft sehen.

Für mich war dann in Absprache mit Herrn Jäckle klar, dass wir eine Plattform brauchen um uns über solche Erfahrungen auszutauschen. Vielleicht auch, wenn wir nicht an solchen Projekten teilnehmen, diese dennoch zu verstehen und aus ihnen zu schöpfen.

Weitere Fotos der Aufführung: 








 Fotos: Tajan Abdulla

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